Margaux und die Banditen
Glück und Leid unter dem blauen Mond Bremerhaven, Nordseezeitung, den 7. November 2006

Reise auf den Spuren der Liebe geht den Zuhörern unter die Haut

"Küss mir das taube Gefühl von der Haut"

Gütersloh (sam). Also habe ich jetzt zwei Herzen... więc teraz serca mam dwa". Mit ihrem deutsch-polnischen Chansonprogramm ist das Kölner Ensemble "Margaux und die Banditen" am Samstagabend im Café Mittendrin der Stadtbibliothek zu Gast gewesen. Sie bescherten den betörten Zuschauern im Rahmen der Europäischen Kulturwoche einen lyrischen Abend der ganz besonderen Art. Polen und Chansons, das klingt zunächst einmal ungewöhnlich. Dabei gibt es für Skepsis gar keinen Grund, und davon weiß Sängerin Margaux Kier im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied zu singen. Schließlich hat man in ihrem Geburtsland Polen eine viel längere Chanson-Tradition als hierzulande, wo man erst mit Brecht und Tucholsky auf den rechten Geschmack kam. Margaux, die geheimnisvolle Frau im roten Kleid, erzählt viele Geschichten, und die meisten haben kein Happyend. Aber es sind "Geschichten, die wir alle kennen". Da ist es völlig egal, welcher Herkunft man ist. Und auch wenn die teilweise auf polnisch gesungenen Chansons vorher für das Publikum übersetzt werden, man hätte sie auch ohne Worte verstehen können. So unmittelbar und greifbar sind alle Emotionen. "Küss mir das taube Gefühl von der Haut". In den Chansons von Tuwim, Osiecka, Brecht, Weill und anderen Künstlern geht es um Romantik und Leidenschaft genauso wie um grausame Einsamkeit. Aber letzten Endes doch immer nur um eines: die Liebe. Ob gesungen, gesprochen oder gehaucht - Margaux ist an diesem Abend die Frau schlechthin. Junges Mädchen, frivole Hure, hoffnungsvolle Verliebte, sorglose Spielerin und unberechenbare Verrückte. "Hypnotisiere mich" singt sie mädchenhaft naiv und hat schon längst die Zuschauer in ihren Bann gezogen. Auch Margaux`"Banditen" Florian Weber, Daniel Speer und Radek Stawarz sind an dieser Verführung maßgeblich beteiligt. Verträumtes Piano, gelassener Kontrabass und melancholisch-heisere Geige: Das Publikum ließ sich nur zu gern einfangen von diesem funkelnden Netz deutsch-polnischer Chanson-Juwelen. Am Ende war jeder berauscht von der einzigartigen Stimme Margaux Kiers. Eine Piaf hätte es kaum besser machen können.
(sam), Die Glocke, 16.11.04

Frivol und nachdenklich

Chansonabend mit Margaux und den "Banditen" 

von Jonas Hübner

Gütersloh. Zwei Herzen schlagen in ihrer Brust: Die Chansonette Margaux Kier singt "alte und neue Geschichten über die Liebe, die jeder von uns kennt" über Abschiede und Endstationen der Sehnsucht - in Polen, wo sie geboren und aufgewachsen ist, und in Deutschland, wo sie heute lebt. Mit ihrer Band, den "Banditen" interpretierte sie am vergangenen Samstag Klassiker des deutschen und polnischen Chansons in der Stadtbibliothek. Unter dem faustisch anmutenden Programmtitel "Also habe ich jetzt zwei  Herzen..." machte Margaux eine Liebeserklärung, der sie vor kleinem Publikum polyglott und gefühlsstark gesanglichen Ausdruck verlieh. Die Frau im roten, hochgeschlitzten Kleid wurde zu einer Wandlerin zwischen den Welten: Dreißigjährige Reminiszenzen an das alte Polen der spießigen Kollektivurlaube in der Provinz und der Wodkagetränkten Dorffeste mischen sich mit Großstadt-Impressionen aus Deutschland und dem neuen Polen. Vor der Kulisse der Gegenwart und der Vergangenheit beider Länder stehen stets die Menschen, ihre Leidenschaften, die Irrungen und Wirrungen, die aus ihnen erwachsen.                                                                                               Margaux ist die enttäuschte Liebende des Brecht`schen "Johnny", die abgebrühte Prostituierte, die es immer nur für Geld gemacht hat, außer beim ersten Mal", sie ist die Mutter, die ein polnisches Wiegenlied einstimmt, die Dorfverrückte, die in dem Osiecka-Stück "Wariatka" barfuß die Nacht durchtanzt. Jede dieser Rollen, die sensibel abgestimmt zwischen den Stimmungspolen von wilder Frivolität und stiller Nachdenklichkeit oszillieren, beherrschte Margaux perfekt und verstärkte die Wirkung ihres emotionalen Gesanges noch durch eine expressive Mimik und Gestik. Der Zwiespalt zwischen illusionsloser Resignation und der Suche nach Augenblicken der Liebe wurde in ihrer Darbietung authentisch geschlossen. So räckelte sie sich in einem Barhocker als "Rinnsteinprinzessin, Gelegenheitsbraut" und bat dennoch den Freier: "Küss mir das taube Gefühl von der Haut"                         In der mitreißenden zweisprachigen Inszenierung trat das Instrumentaltrio der "Banditen" zuweilen ein wenig in den Hintergrund, zeigte jedoch seine Stärken besonders in den melancholisch gestimmten, balladesken Stücken: Die klagende aber dezente Geigenmelodie im Hintergrund verwob sich mit kontemplativen Pianoklängen von Florian Weber und dem puristisch akzentuierten, düsteren Spiel von Daniel Speer am Kontrabass. 16.11.04 Nr.268, NW NN

Starke Frauen in Rot

Beeindruckender Abend mit Margaux Kier und die Banditen

DERNEBURG. "Küss mir das taube Gefühl von der Haut!" Das enge rote Kleid, das aufgelöste Haar, der starre Blick. Die Bühne des Glashauses in Derneburg wird zum Bild.

Und weitere Bilder zeichnet Margaux Kier in den Chansons ihres polnisch-deutschen Programmes "Also habe ich jetzt zwei Herzen" ("Wiec teraz serca mam dwa"). Es sind Bilder von Frauen, wie man sie auf einer Reise zwischen Deutschland und Polen erleben könnte. Es sind Bilder von starken Frauen. Margaux Kier spielt und singt sie ergreifend. (...)

Das Programm ist geschickt gewählt und sorgfältig ausgearbeitet. Zweisprachig inszeniert, ist es wie geschaffen für das polnische Kulturfestival im Glashaus.

Hervorragend sind auch die "Banditen", Kiers Begleitband. Sie bringen ausgereifte Arrangements von dezentem Samba-Feeling bis zu lebensfrohem Swing-Jazz und wehmütigen Balladen. Christoph Zukowski am Piano, David Plate an der Gitarre und Daniel Speer am Kontrabass beweisen sich als erfahrene, gut eingespielte Band. Das zeigt sich auch mit dem sensiblen Umgang mit spannungsreichen stillen Passagen, die sie souverän meistern.

Margaux Kier und ihre "Banditen" schafften eine so intensive Atmosphäre, dass die Polizei einfach Verständnis haben muss, wenn man bei dem Rot einer Ampel lediglich an ihr rotes Kleid und die Chansons zurückdenkt.
HILDESHEIMER ALLGEMEINE ZEITUNG SONNABEND, 13 MAI 2000

Chansons: "Das Leben ist ein Ball"

Das Kölner Ensemble Margaux und die Banditen gastieren im Theater K

Aachen. Drei Musiker betreten die kleine Bühne, Klavier und Kontrabass setzen ein. Es dauert eine Weile, bis sich die Sängerin an der Bar sitzend bemerkbar macht: "Der Flug in die Stille beginnt in uns selbst." Ganz in Rot gekleidet betritt sie die Bühne, ihre Stimme ist klar, ihre Worte sind laut, sie erreichen jeden. "Das Leben dauert wie ein Tanz, so lange. Das Leben ist ein Ball. Lasst uns hingehen, ein zweites mal laden sie uns nicht ein."

"Margaux und die Banditen" tun dies sehr wohl. Das Kölner Ensemble um die Sängerin Margaux Kier gastiert zurzeit im Foyer Rouge des Theater K (Bastei). In ihrem aktuellen Chansonprogramm "Das Leben ist ein Ball" interpretieren sie polnische wie deutsche Chanson-Perlen, die immer noch glänzen. Eigene Texte sorgen zwischendurch für eine gelungene Mischung aus Alt und Neu, vorgetragen voller Energie und Lebensfreude, der fröhliche Gesichtsausdruck der charismatischen Sängerin mag selbst bei den traurigsten Stücken nicht verschwinden. Dass die Dame Schauspielerin ist, lässt sich nicht verbergen. Ihre Gestik ist auffallend, erinnert mal an eine Marionette, mal an einen Wirbelwind. Gegensätze wie sie das Leben vorgibt greift die Sängerin auf und setzt sie durch Text, Gesang und Tanz meisterhaft um. Die perfekte Unterstützung erhält sie dabei von ihren "Banditen": Dietrich Thomas entlockt dem Klavier wundervoll harmonische Töne , während Radek Stawarz die Geige reden lässt und Daniel Speer am Kontrabass das Zusammenspiel gekonnt mit tiefen Tönen durchsetzt. Hier ist kein Chanson wie das andere, doch greift jedes Geschichten auf, die das Leben schreibt; dies- und jenseits der Grenze, die doch bloß in den Köpfen existiert. Geht es nämlich um Liebe und Leben, macht es keinen Unterschied, wo ein Mensch gerade lebt. Heute und morgen sind jeweils um 20 Uhr weitere Vorstellungen.
Britta Kuck, Aachener Zeitung, 27.02.2004

Nur die Seele braucht mehr

Margaux und ihre Banditen im Werkstatt-Café

Um Frauen, Männer und die Palette ihrer erotischen Verwicklungen ging es im Chansonabend "Margaux und die Banditen" am Donnerstag im Werkstattcafé des Staatstheaters Darmstadt. Auf Einladung des Deutschen Polen-Instituts präsentierte die Sängerin und Schauspielerin Margaux Kier mit ihrer Begleitgruppe ein Programm mit deutschen und polnischen Chansons. (...)

Greifbar wirklich war allemal die in Polen geborene Margaux Kier mit ihrer wandlungsfähigen Stimme und einer Bühnenpräsenz zwischen Kindfrau und Vamp, für deren Intensität das vollbesetzte Werkstatt-CafŽ fast zu klein schien. (...) in dem mit Ganovenhüten vorgetragenen Stück "Sing-Sing" blitzte etwas von Gefahr auf, die der Name "die Banditen" versprach. Sehr schön im übrigen die zwischen Blues und Jazz angelegten Soli von David Plate auf der akustischen Gitarre.

Höhepunkt des Abends war "Wariatka - Die Verrückte", eine gesungene und getanzte Liebeserklärung an Polen: "Wenn schon ein Fest, dann richtig...", so der Wahlspruch der Tänzerin, von der dieses Chanson erzählt.

Was man mitnimmt von diesem Abend ist nicht zuletzt das Wissen um ein Lebensgefühl zwischen Melancholie und Lebenslust, das für das sich entwickelnde gemeinsame Europa nur eine Bereicherung sein kann. Mit der Präsentation von Margaux Kier und ihrer Gruppe ist dem Polen-Institut ein Glücksgriff gelungen.
Reinhard Olschanski, DARMSTÄDTER ECHO, 28.04.2001

Theater am Sachsenring

Margaux und die Banditen

Ganz in der Tradition des klassischen Chansonvortrags bewegt sich der Abend, den die in Polen geborene, in Köln lebende Sängerin und Schauspielerin Margaux Kier nun im Theater am Sachsenring (unter der Regie von Joe Knipp) herausgebracht hat...

Unter dem Titel "Also habe ich jetzt zwei Herzen" hat sie polnische und deutsche "Klassiker" des Chansons ausgewählt und gruppiert: Brecht und Mlynarski, Osiecka und Tucholski, Peer Raben und Konieczny, Weill und Mikula. Und neue Chansons von der Autorin und Komponistin Inessa Barszczewska; Erzählungen vom Stillestehen der Zeit, vom sehnsüchtigen Blick zurück ("Tomasz—w") und von den Metamorphosen des Lebens, symbolisiert in Eis und Wasser, Dampf und Regen.

Es sind gesungene Liebeserklärungen an Land und Leute, poetische Miniaturen, authentisch vorgetragen... (...) Chris Zukowski, Daniel Speer und David Plate (die sich "Die Banditen" nennen) begleiten sensibel und hellwach an Piano, Kontrabass und Gitarre. (MiMe)
Kölner Stadt-Anzeiger - Nr. 109 - Donnerstag, 11.Mai 2000

Theater am Sachsenring

Köln, Premiere: 5 Mai

(übersetzung O.Weintraub)

(...) dem schauspielerischen Können und der Subtilität Margaux Kiers ist die Atmosphäre zu verdanken, die sie durch den mühelosen und natürlichen übergang von Deutsch zu Polnisch und umgekehrt, die gelungene Interpretation sowohl neuer als auch alter, sowohl polnischer als auch deutscher bekannter Schlager und Lieder, zu erzeugen wusste.

Sehr hilfreich waren dabei, die im Programm übersetzten Texte aller Lieder : die der deutschen Lieder ins Polnische und die Texte der polnischen Lieder ins Deutsche Ð dank derer sich niemand aussenvor fühlte und die Interpretation der Texte von Tuwim ("Tomasz—w"), Brecht ("Surabaya Johnny") oder Osiecka ("Sing Sing") zu vollem Ausdruck kommen konnte. Margaux wurde begleitet von den Banditen (Chris Zukowski Ð Piano, Daniel Speer Ð Kontrabass und David Plate Ð Gitarre), die mühelos und mit viel Charme mit jeder Stimmungsänderung der Schauspielerin schritt hielten.

"Also habe ich jetzt zwei Herzen Ð Wiec teraz serca mam dwa" Ð der aus einem der Lieder entnommene Titel dieses bewegenden Programms, hat noch eine tiefere Bedeutung. Vielleicht hat die in Polen geborene und in beiden Kulturen verwurzelte Margaux einen Pfad durch den dichten Dschungel der Probleme gefunden, die die Suche nach der eigenen Identität begleiten. Vielleicht ist es leichter und besser "zwei Herzen" zu haben als ein zerissenes...
Katarzyna Weintraub, Samo Zycie, Mai 2000

 

Stand: 27.02.2006 gestaltung@margauxunddiebanditen.de